Unterschiede, die man als Deutscher kennen sollte

US-Girokonto: So funktioniert es (nicht)!

Girokonten (Checking Accounts) funktionieren in den USA teilweise etwas anders als in Deutschland. Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über die größten Unterschiede zu Deutschland und wie die Amerikaner „Banking“ machen.

Die Seite wird immer wieder ergänzt durch Lösungsideen, wie Deutsche ihr US-Bankkonto trotzdem sinnvoll nutzen können.

Gerne können Sie mit Ihren Erfahrungen und Ideen zur Verbesserung und Erweiterung dieser Seite über die Kommentarfunktion beitragen. Vielen Dank!

1. Überweisungen

Überweisungen, wie wir sie europaweit bei den meisten Banken kostenlos machen können, sind in den USA nicht üblich.

Solche Zahlungen werden in Amerika weitestgehend mit einem Scheckversand per Post, einer Kartenabbuchung (Debit- und Kreditkarte) oder der „Pay-Bills-Funktion“ (siehe unten) gemacht.

1.1 Daueraufträge

Daueraufträge kann man bei US-Banken einrichten – beispielsweise wenn man pünktlich zum Ersten des Monats seine Mortgage (Rate für eine Hausfinanzierung) überweisen möchte.

Daueraufträge werden über die Pay-Bills-Funktion eingerichtet.

1.2 Pay-Bills-Funktion (Rechnungen bezahlen)

Pay Bills kann für einmalige sowie für wiederkehrende Zahlungen an Empfänger in den USA benutzt werden. Bekannte große Firmen kann man über die Suchfunktion finden, alternativ oder bei Firmen und Personen, die nicht im Datenbestand der Bank hinterlegt sind, gibt man diese manuell ein. Demnächst werden wir einen separaten Artikel zu Pay Bills veröffentlichen.

Pay Bills Funktion

Mit dieser Funktion können Sie Geld an US-Firmen und andere Personen innerhalb der USA „überweisen“.

1.3 Abbuchungen / Lastschriften

Diese funktionieren über das ACH-Verfahren. ACH bedeutet Automated Clearing House. Dieses System nutzen vor allem Firmen, um die Beträge von Rechnungen von den Konten der Zahlungspflichtigen abzubuchen, beispielsweise ebenso die monatliche Kreditrate für eine Hausfinanzierung.

Die Abbuchung ist für den Kontoinhaber gebührenfrei!

1.4 Schecks

Schecks kommen im alltäglichen Zahlungsverkehr häufig vor. Man kann mit Schecks in den meisten Geschäften und bei Behörden bezahlen. Vorteilhaft ist, dass manchmal etwas Zeit vergeht, bis sie eingelöst werden. Vor allem, wenn man den Scheck mit der Post versendet!

Schecks können bei der eigenen Bank persönlich oder per Briefpost zur Gutschrift eingelöst werden. Einige Banken bieten bereits den Service an, dass man einen Scheck per App abfotografiert und so einreicht.

Im Gegensatz zu deutschen Banken können Sie sich das „Beweisfoto“ ansehen, wenn ein Scheck von Ihrem Konto gezogen wird, und so leicht überprüfen, ob das richtig war. Falls nicht, können Sie direkt aus dem Online-Banking eine Scheckrückgabe veranlassen.

US-Scheck eingereicht

Bildschirmfoto aus dem Online-Banking einer US-Bank: Wenn Sie mit der Maus über den Scheck fahren, erscheint eine Vergrößerungslupe, damit Sie auch die Details gut erkennen können.

1.5 Überweisungen ins Ausland

Überweisungen ins Ausland sind bei vielen US-Banken kompliziert und teuer. Es gibt auch Banken, bei denen das nicht möglich ist oder einer besonderen Freischaltung (z. B. persönliches Erscheinen in der Filiale) bedarf.

Für unsere Leute haben wir eine sehr kostengünstige Lösung via TransferWise entwickelt.

Da TransferWise über das ACH-Verfahren die zu überweisende Summe vom US-Girokonto abbucht, sparen Sie sich die hohen Gebühren für einen outgoing international wire transfer, und für andere Leute noch hilfreicher: Sie können Ihr Geld nach Deutschland (oder in andere Länder) überweisen, ohne persönlich in den USA die Auslandsüberweisung auf einem Papiervordruck unterschreiben zu müssen.

Detaillierte Anleitung: Überweisung USA → Deutschland

2. Sparanlagen / Investments

2.1 Sparkonto, Tagesgeld, Festgeld

Solche Anlagen finden Sie unter dem Oberbegriff „Savings“ bei fast jeder Bank in den USA.

Die Sparzinsen sind in der aktuellen Zinsphase so niedrig, dass sich ein Saving derzeit nicht lohnen würde. Einen Markt wie in Deutschland mit höher verzinsten Tagesgeldkonten – bei uns hauptsächlich ausländische Anbieter mit den besten Zinsen – gibt es in den USA nicht.

Ab einem Zinsgewinn von aktuell $10 pro Jahr bekommt man als Kunde mit ausländischem Steuersitz das IRS-Formular 1099R zum Ausfüllen.

Mit Deutschland besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, so dass nicht in den USA versteuert würde, sondern die Zinsgewinne aus den USA bei der deutschen Einkommenssteuererklärung angegeben werden müssten.

Hat man keine Zinserträge, spart man sich den ganzen Aufwand sowohl in den USA wie beim deutschen Finanzamt!

2.2 Investments (Aktien und Fonds)

Ein Wertpapierdepot mit günstigen Konditionen und einer großen Auswahl an handelbaren Aktien, Fonds und ETFs bietet kaum eine girokonto­führende Bank an.

Ausnahme: Sie möchten ein besonders großen Betrag anlegen. Dann öffnet man Ihnen gerne die Tür in eine spezialisierte Abteilung (meistens nicht vor Ort, ein Berater kann aber in eine Filiale in Ihrer Nähe kommen). Dieser Service ist grundsätzlich nur für Leute zugänglich, die über eine Sozial­versicherungs­nummer (SSN) verfügen.

Neben girokonto­führenden Banken gibt es Fonds­gesell­schaften, Broker oder andere Spezial-Anbieter, bei denen man Kunde für Anlagezwecke werden kann. Voraussetzung auch hier: US-amerikanische Sozialversicherungsnummer.

Wir arbeiten noch an Lösungen, freuen uns über Tipps und Hinweise und werden im Blog über die Weiterentwicklung informieren.

3. Kontoeröffnung

Üblicherweise eröffnet man ein Girokonto in den USA, indem man persönlich zur Bank geht und gemeinsam mit dem Banker den Eröffnungsprozess durchgeht.

Bei Ausländern verzichten die meisten Banken sogar auf die Sozial­versicherungs­nummer. Herausforderungen können auftreten, wenn Sie keine US-Adresse und/oder keine US-Mobil­funknummer haben.

Für „unsere Leute“ haben wir die Möglichkeit einer Fern-Kontoeröffnung geschaffen und dafür bereits viel Zustimmung, Anerkennung und Dankbarkeit erhalten. Gerade von Leuten, denen es zeitlich oder gesundheitlich schwer fällt, für eine Kontoeröffnung in die USA zu reisen.

Am Ende der Seite finden Sie die Links zu den Möglichkeiten, von Deutschland aus ein Checking Account in den USA zu eröffnen, ohne das Haus verlassen zu müssen.

3. Zweck der Kontoeröffnung und mögliche Nutzungsoptionen

Unsere Kunden nutzen das über uns eröffnete Girokonto oft als:

  • Bankkonto für USA-Reisen (beispielsweise um die Reisekasse vorab zu einem günstigen Kurs zu überweisen und mit der US-Bankkarte zahlen zu können)
  • Girokonto für einen längeren Aufenthalt in den USA (entsendete Arbeitnehmer, Dauerurlauber, Geschäftsreisende)
  • Konto in US-Dollar mit Einlagensicherung (Sicherungsgrenze: $250.000)
  • Abrechnungskonto für eine (Ferien-)Immobilie in den USA
  • Reserve/Notfallkonto außerhalb des Euroraums
  • Konto für ein Kind, was in den USA studiert / demnächst studieren wird
  • Konto für Leute, die planen, später einen Teil Ihres Ruhestandes in den USA zu verbringen.

Nicht genutzt werden kann es als:

  • Geschäftskonto
  • zum Empfangen und Senden von Geld anderer Leute.

4. Erfahrungswerte im Umgang mit US-Bankkonten

Oftmals wundern sich Ausländer, die in Deutschland ein Bankkonto eröffnen wollen, warum es bei uns kaum Banken gibt, die die englische Sprache anbieten. Unsere deutschen Banken haben sich auf inländische Kunden spezialisiert.

Genauso ist es in den USA. Die Girokonten und Geschäftsprozesse sind für die Nutzung innerhalb der USA optimiert. Das kann für uns Ausländer mit einem US-Bankkonto manchmal Hindernisse bedeuten.

Karteneinsatz außerhalb der USA bzw. im Internet

Wenn Sie Ihre Debit-Karte außerhalb der USA bzw. beim Online-Shop einsetzen, kann es vorkommen, dass Sie öfter mal aufgefordert werden, sich mit einem kurzen Anruf bei der Bank zu melden und die Transaktion freizugeben.

Banken tun das gelegentlich, um Kartenmissbrauch zu verhindern … und dieser taucht eher außerhalb der USA auf bzw. bei Online-Anwendungen.

Banking-App

Die Banking-Apps von US-Banken können regelmäßig nicht von unseren deutschen bzw. europäischen Smartphones genutzt werden. Man findet sie schlichtweg nicht im App-Store und wenn man über den direkten Link geht, bekommt man eine Meldung, dass die „Nutzung in Ihrem Gebiet“ nicht erlaubt ist.

Die einfachste Lösung wäre hier, ein zusätzliches US-Smartphone bzw. den Online-Zugang über einen üblichen Computer zu nutzen.

5. Kreditkarte oder Debit-Karte?

Der Vollständigkeit halber sei auch hier erwähnt: Mit „Kreditkarte“ ist in den USA immer eine echte Kreditkarte, also eine Karte mit Kreditrahmen gemeint. Im Gegensatz zu Deutschland muss man sich diese „erarbeiten“.

Grundvoraussetzung: Sozialversicherungsnummer. Anschließend darf man für rund ein Jahr ein Deposit (Kaution) in der Höhe der Kreditlinie bei der Bank hinterlegen. Dann beginnt die Phase der Nutzung und pünktlichen Zurückzahlung. Tut man das gut und richtig, steigt die eigene Credit History und in deren Folge kommen später wie von alleine neue Kreditkartenangebote per Post nach Hause. Zudem ist die Credit History wichtig für Finanzierungen (Auto, Haus).

Als Ausländer ohne Sozialversicherungsnummer erhalten Sie stets eine Debit-Card. Diese hat je nach Bank ein Visa- oder MasterCard-Symbol und verfügt ebenfalls über eine Kreditkartennummer. Aber eben ohne Kreditrahmen; der Nutzungsrahmen entspricht Ihrem Kontoguthaben. Vergleichbar ist das mit den ehemaligen EC-Karten – den heutigen Girocards – in Deutschland.

Hilfe bei der Kontoeröffnung in den USA

Wie weiter oben angekündigt, helfen wir smarten Bankkunden bei der Kontoeröffnung in den USA. Je nachdem wie viel Unterstützung Sie benötigen und für wie viele Leute (z. B. Gemeinschaftskonto) das Konto sein soll, gibt es unterschiedliche Service-Pakete ► Überblick: US-Bankkonto aus Deutschland eröffnen.

Bevor Sie ein Bankkonto in den USA eröffnen, ist es von Vorteil, dass Sie diese Seite aufmerksam gelesen haben, damit Sie wissen, was so ein Konto kann, was es nicht kann und wie man ggf. eine Herausforderung alternativ lösen kann.

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2 Kommentare zu “US-Girokonto: So funktioniert es (nicht)!”

  1. Ulrike Heine sagt:

    Wir bräuchten das US-Konto vor allem wegen der US Debit Card für eine längere Reise. Wir haben US Dollar Bargeld, das wir gern auf das Konto vorab oder Vorort einzahlen würden. Wir sind in Washington und Kalifornien unterwegs, wo ja offensichtlich keine Filialen Eurer Bank vorhanden sind. Ist es denn auch möglich, in Deutschland Dollar-Bargeld auf das Konto einzuzahlen?

    • Redaktion sagt:

      Falls Sie Washington DC meinen, dort gäbe es Möglichkeiten zur gebührenfreien Bargeldeinzahlung. In Deutschland gibt es keinen Einzahlungsautomaten der Bank.

      Die beste Option ist eine Überweisung mit TransferWise auf das Konto: https://www.deutscheskonto.org/de/transferwise-ueberweisung/

      Wenn Sie hauptsächlich an der Westküste sind, könnte es Sinn machen, eine Westküsten- oder bundesweite Bank zunehmen. Die Kontoeröffnung machen Sie einfach beim nächsten Besuch vor Ort und zahlen gleich Ihr Bargeld ein.

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